Die, die mich kennen, wissen, dass ich mich tunlichst zurückhalte mit politischen Meinungen und Aussagen, einfach, weil ich der Ansicht bin, dass alles was sich im Außen zeigt, immer auch etwas mit uns selbst zu tun hat und ich zudem nicht alle Hintergründe und Zusammenhänge kenne, um ein wirklich kompetentes Statement zur Politik abzugeben. Ich glaube auch fest daran, dass die Politiker die wir gerade an der Macht haben und erleben, sinnvoll sind, um uns allen etwas aufzuzeigen, uns etwas zu lehren und sei es, für uns selbst einzustehen und die Verantwortung nicht immer auf Andere abzuschieben. Wir sind Mitschöpfer und keine Opfer. Schon oft ist mir aufgefallen, dass ich selbst sehr viel mit den Dingen, mit denen ich in Resonanz gehe, zu tun habe. Wenn ich auf etwas stark reagiere, darf ich bei mir selbst schauen. Was ist es was mich gerade so sehr an diesem Menschen stört? Warum stört mich das gerade so sehr? Was sehe ich beim Anderen, was vielmehr etwas mit mir selbst zu tun hat? Wovor habe ich vielleicht auch Angst? Als diese besagte Person an die Macht kam, habe ich sofort erst mal in mich gehen müssen, fühlen dürfen, was das in mir auslöste und es war nicht viel in mir außer Angst, Sorge und Verurteilung.  Angst, die nicht erst durch seine Wahl zustande kam, sondern eine sehr alte Angst, aus meiner Familiengeschichte heraus begründet.

Ihr wisst, dass ich am liebsten über das schreibe, was mich selbst gerade beschäftigt und im Moment sitze ich im Zug nach Hause nach Berlin und freue mich riesig darauf Walter in ein paar Stunden wiederzusehen. Schließlich haben wir uns mehr als zwei Wochen nicht gesehen, weil er auf dem Jakobsweg mit seinem Männerseminar war, während ich den Sommer, der wohl gerade Pause macht, zu Hause mit viel Coaching für wunderbare Menschen und Freizeit für mich genossen habe. Dennoch war es mir gestern sehr wichtig zu meinem Gesichtsleser Dozenten Treffen nach Frankfurt zu fahren, weil ich das  Gesichtlesen sehr liebe, als sinnvolles Werkzeug in meiner Arbeit als Seminarleiter und Coach empfinde und meine Kollegen und Lehrer mal wieder sehen wollte. Wer mehr dazu wissen mag, kann hier Infos finden. www.gesicht-lesen.de

Diese Treffen sind immer nährend und interessant und ich bin sehr dankbar dafür, dass ich ein Teil dieser so alten, glücklichweise über Jahrhunderte hinweg überlieferten und hilfreichen Lehre sein darf.

Wie immer bei unseren Treffen lasen wir Gesichter und auch das von diesem im Moment sehr einflussreichen Mann aus der Politik, dem ich selbst eher mit Vorurteilen begegnete, weil er viele meiner eigenen Themen und Verletzungen antriggert. Das war mir schon lange klar, schließlich hat er mich schon ziemlich an meine alten Ängste gebracht. Wo hast du ehrlicherweise Vorurteile gegen Andere? Ich fürchte, wir sind alle nicht Vorurteilsfrei und verstecken uns manchmal in hinter der Moralkeule, die sich leicht austeilen lässt, ohne alle Seiten und Hintergründe zu kennen. Nun lasen wir also sein Gesicht, das Bände sprach und es sprach ganz anders als das was ich immer von diesem Menschen dachte. Es zeigte mir überraschenderweise eine ganz neue Seite an ihm.

Wir sagen im Gesichtlesen immer, „ein Gesicht ist wie ein Buch, mit vielen hunderten von Seiten“. Wie oft reduzieren wir des Anderen Gesicht, das ja nichts anderes als ein sehr ehrlicher Ausdruck seiner Selbst ist, auf ein bis zwei Seiten und das je nachdem wie wir ihm gesonnen sind? Entweder auf die Guten oder auch auf die Schlechten?

Zum ersten Mal sah ich bei dieser Person eine verletzliche Seite, eine, die mir näher erklärte, warum er sich wohl so aufführt. Dadurch, dass er gut trainiert ist, wahrscheinlich all sein Leben lang, eine sehr überzeugende, dominierende Maske zu tragen, war das für mich, selbst als geübte Gesichtleserin, zunächst nicht so klar ersichtlich. Ich erinnerte mich  an das, was wir immer lehren, nämlich, dass in jedem von uns ein verletztes kleines Kind ist.

Das entschuldigt nicht seine Art in der Welt zu sein, gibt ihm keinen Freischein, es erklärt mir nur warum er so geworden ist, wie er ist und warum er auf seine Art und Weise so um Anerkennung und Liebe kämpft. Ich fand es interessant, dass ich mich -was diesen Menschen anbetraf, lieber von meinen eigenen Ängsten leiten ließ, als ihm mit möglichst offenem Herzen zu begegnen.

Die Menschen, die wir ablehnen, dürfen wir am allermeisten betrachten. Und zwar mit möglichst offenem Herzen. Sie haben jede Menge Geschenke für uns. Das wissen wir ja auch bereits schon. Nur tun wir es wirklich? Ich habe mich ertappt, bei diesem Mann eine Ausnahme gemacht zu haben.

Wo machst du Ausnahmen und warum machst du sie wirklich?  Wo trägst auch du Masken und spielst Rollen? ( So wie dieser Mann?) Wo glaubst Du genau die Wahrheit zu kennen und stellst deine Wahrnehmung als eine allgemeingültige dar? Je selbstehrlicher wir sind, umso mehr kommen wir vielleicht dahinter, dass jeder einzelne von uns, doch immer wieder vielleicht auch in alte Muster fällt, selbst auch Masken trägt, Rollen spielt und einzelne Menschen lieber verurteilt, als sich wirklich mit ihnen auseinanderzusetzen.

Schon alleine deshalb liebe ich unsere neue Wahlheimat Berlin. Ich habe das Gefühl und natürlich ist auch das wieder nur meine subjektive Wahrnehmung,  denn letztlich ist alles immer nur unsere subjektive Wahrnehmung, auch wenn wir manchmal glauben, sie hätte allgemeine Gültigkeit, dass jeder hier so sein darf wie er will. Eine bunte Vielfalt verschiedenster Persönlichkeiten versammelt sich an diesem für mich wunderschönen Fleckchen Erde und lebt miteinander sein ganz eigenes Leben. Das macht es auch so schön und abwechslungsreich.

Ich bin froh, dass wir in einem Land leben, wo jeder sich frei entscheiden kann, wie und wo er leben mag. In diesem Sinne wünsche ich dir heute einen wahrhaftigen Blick hinter die Masken und lade dich ein, dir selbst die Frage zu stellen, sobald sich Verurteilung oder Voreingenommenheit einschleicht, ob du vielleicht genau hier und jetzt auch falsch liegen könntest, mit dem was Du vordergründig gerade zu sehen bekommst und glaubst. Denn alles hat immer mehrere Gesichter und Seiten im Leben – das macht es auch so interessant.

In diesem Sinne, alles Liebe für diesen Wonnemonat Juli

Euer Herz über Kopf

Christina